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Österreich diskutiert gerade die Idee, Messenger-Dienste zu verpflichten, Backdoors einzubauen. Natürlich alles nur, um die “Sicherheit zu verbessern” und Kriminalität zu bekämpfen. Klingt auf den ersten Blick sogar halb vernünftig. Wer will schon keine Banausen fangen? Aber lass uns kurz einmal wirklich darüber nachdenken.
Stell dir vor, dein Haus bekommt eine geheime Hintertür. Nur für den Fall, dass die Polizei mal rein muss. (An sich schon absurd genug, aber gut.) Und dann wachst du eines Morgens auf und findest fremde Fußspuren im Wohnzimmer, vielleicht chinesische oder russische. Genau so funktioniert IT-Sicherheit nämlich in echt. Wenn du eine Backdoor einbaust, rollst du im Prinzip den roten Teppich aus und lädst Hacker aus der ganzen Welt ein. Und ja, früher oder später kommt dann garantiert jemand vorbei, den du wirklich nicht auf ein Stamperle da haben willst.
Die Fantasie von “sicherer Verschlüsselung, aber mit einem geheimen Schlüssel nur für den Staat” ist nicht nur naiv, sie ist gefährlich unmöglich. Vor allem, weil dieser Schlüssel irgendwann genau dort landet, wo er immer landet: auf Dorfpolizist Franz Herburgers staubigem Windows-7-Büro-PC, direkt neben dem Faxgerät. Kann man sich eine schönere Security-Umgebung vorstellen?
“Also ich habe doch nichts zu verbergen”, hör ich eh schon zu oft. Denkt doch mal nach. Selbst wenn eure Chats über Netflix-Empfehlungen und Pizza-Toppings wirklich egal sind (fair), was ist mit Passwörtern? Bankdaten? Arbeitskommunikation? Oder gehen wir eine Stufe höher: Kommunikation von Politikern, CEOs, Leuten die unser Stromnetz managen, Gesundheitsdiensten oder Journalisten mit sensiblen Quellen. Messenger-Apps sind längst nicht mehr nur ein kurzer Chat. Sondern unsere grundlegende Infrastruktur.
Beate Meinl-Reisinger (NEOS) meinte dazu kürzlich sinngemäß: “Wir werden das diskutieren, manche Experten sagen so, manche so…” Aber hier ist die Wahrheit: Würden Politiker tatsächlich auf Cybersecurity-Experten hören, wüssten sie innerhalb von fünf Sekunden, dass dies eine katastrophale Idee ist. Stattdessen hört man lieber auf Experten für Terrorismus oder Migrationsabwehr. Lustig eigentlich: permanent heißt es “Hört auf die Experten”, aber wenn es dann um echte IT-Sicherheit geht, interessiert es plötzlich niemanden mehr.
Und nehmen wir mal an, ein Wunder passiert. Alles funktioniert auf einmal perfekt. Der Schlüssel ist sicher, wird verantwortungsvoll genutzt, ausschließlich von einer wohlwollenden Regierung. Wer garantiert dir, dass die nächste Regierung nicht einfach eine komplette 180-Grad-Wende macht, Richtung Autoritarismus oder gleich offener Faschismus? Ein kurzer Blick in die jüngere Geschichte reicht schon (Schauts mal rüber in die USA, puh).
Wenn diese Büchse der Pandora einmal offen ist, bekommen wir sie nicht mehr zu. Es geht nicht nur um deine persönliche Privatsphäre. Es geht um ein System, das Missbrauch, Ausbeutung und Spionage plötzlich viel leichter macht. Eine einzige Backdoor senkt die Einstiegshürde für staatliche Hacker, Kriminelle oder gelangweilte Teenager massiv, um richtig Schaden anzurichten.
Und Österreich? Tja, Glückwunsch. Statt als “neutraler” Vermittler oder für Opernbälle, Skifahren und Schnitzel bekannt zu sein, könnten wir bald als digitales Hirngspinst in Europa gelten. Wobei, seien wir ehrlich: Wir sind eh schon halb dort, da uns nach Kickls rechtswidriger Razzia im eigenen Geheimdienst sowieso keine ernsthafte Intelligence-Agency mehr vertraut.
Privatsphäre hat nichts damit zu tun, “etwas Falsches zu verstecken”, auch wenn viele das glauben. Privatsphäre ist Würde, Freiheit und S-I-C-H-E-R-H-E-I-T in unsrer neuen Welt.